Liebe Freunde des Carl-Auer Verlags,

im September kommen traditionell die neuen Programme der Verlage in den Handel, und der Bücherherbst beginnt. Wir lüften heute die Buchdeckel vor allem jener Novitäten, mit denen sich unsere Autoren direkt an Professionelle in Therapie und Beratung richten. Weitere Neuerscheinungen stellen wir Ihnen im nächsten Newsletter vor.

Als ein Themenschwerpunkt des Herbstprogramms 2017/18 hat sich das Arbeiten mit Familien in Krisensituationen herausgebildet. Immer häufiger nehmen Fachbeiträge den familiären Kontext in den Blick, das „System Familie“, und stellen neue Therapieansätze oder die Ausweitung bereits erprobter Methoden auf bisher noch nicht erschlossene Beratungsfelder vor. Neben fundierten fachlichen Analysen erwartet die Leser umfangreiches Zusatzmaterial für die therapeutische Arbeit, sei es in Form von Tools, Fallvignetten, Praxisbeispielen oder Online-Hilfen.

Alle Neuerscheinungen kommen in den nächsten Tagen in den Handel und können ab sofort vorbestellt werden. Buchbestellungen über den Carl-Auer-Shop sind portofrei.

1. Eia Asen, Michael Scholz (Hrsg): „Handbuch der Multifamilientherapie“

Chronische psychische Störungen führen sehr häufig zu einer Isolation der betroffenen Familien, weil diese sich dafür schämen. Hier setzt die Multifamilientherapie (MFT) an: Denn werden mehrere Familien mit den gleichen Schwierigkeiten in einer Gruppe beraten, wird ihr sozialer Rückzug aufgelöst.

Hatten die beiden Pioniere der MFT, Eia Asen und Michael Scholz, mit „Praxis der Multifamilientherapie“ 2009 erstmals die Grundlagen dieser Therapiemethode für den deutschsprachigen Raum systematisch erschlossen, legen sie mit ihrem aktuellen „Handbuch der Multifamilientherapie“ viel mehr als nur einen Überblick über die Weiterentwicklungen der vergangenen Jahre vor.

Als Kapazitäten auf diesem Gebiet konnten die beiden Herausgeber die international anerkanntesten Vertreter der MFT als Beitragsautoren hinzugewinnen. Damit ist das Wissen über multidimensionale Therapieansätze in einer bisher unerreichten Dichte von inhalts- und prozessorientierten Darstellungen, Übungen und Reflexionen erstmals in einem Werk verfügbar. Mehr als 400 Seiten stark, hat das „Handbuch der Multifamilientherapie“ auch zum Ziel, die vielen MFT-Ansätze in Deutschland zu bündeln, zu koordinieren und in einen internationalen Kontext zu bringen.

„Inzwischen sind in einigen europäischen Ländern – so in Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Holland – weitere Konzepte entwickelt und erprobt worden, angepasst an unterschiedlichste Problemfelder der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Jugendhilfe und dem Schulsystem. Erfreulicherweise werden zunehmend die Grenzen und manche Voreingenommenheiten zwischen Klinik, Jugendhilfe und Pädagogik überwunden“, resümiert Michael Scholz. „Das Handbuch erschließt neue Anwendungsbereiche, deren Erforschung eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass künftig die MFT wissenschaftlich anerkannt und auch angemessen finanziert wird“, so der Autor und Herausgeber weiter. Das ganze Gespräch mit Michael Scholz hier.

Handbuch-MFT Asen, Eia Scholz, Michael
Eia Asen, Michael Scholz (Hrsg.): „Handbuch der Multifamilientherapie“
MFT-Praxis
Eia Asen, Michael Scholz: „Praxis der Multifamilientherapie“

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2. Justine van Lawick, Margreet Visser: „Kinder aus der Klemme“

Wenn Trennungsstreitigkeiten zwischen Eltern anhalten, entwickeln Kinder oft psychosoziale Probleme und Traumatisierungen. Für solche Konfliktsituationen haben Justine van Lawick und Margreet Visser ein therapeutisches Setting entwickelt, das bereits erfolgreich in vielen Ländern praktiziert wird. In „Kinder aus der Klemme – Interventionen für Familien in hochkonflikthaften Trennungen“ stellen sie ihr innovatives Konzept vor.

Die Therapeutinnen machen eine Reihe von Anleihen bei der Multifamilientherapie. Die auffälligste ist die gemeinsame Beratung von betroffenen Eltern unter Einbeziehung ihrer sozialen Netzwerke. Die Kinder werden in separaten Kleingruppen von Trennungskindern betreut. Die Trennung von Eltern und Kindern dient der Deeskalation, denn Eltern fühlen sich anfangs bedroht. Sie „reagieren mit extremen Überlebensstrategien: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Und diese Überlebensstrategien verstärken die Eskalation. In der Gruppe spiegeln sie sich in anderen Eltern wider, wodurch Reflexion und Mentalisierungsprozesse stimuliert werden. Mit speziellen Erfahrungsübungen lernen sie, sich in ihre Kindern einzufühlen, sich wie das Kind zu fühlen, das seine kämpfenden Eltern erlebt.“

Das Therapieziel beschreiben die Autorinnen so: „Wir wollen erreichen, dass sich die Kinder wieder sicher fühlen, dass ihr Wohlbefinden im Leben ihrer Eltern und ihres sozialen Netzwerks wieder eine zentrale Rolle spielt, damit sie sich gut weiterentwickeln können. Um dies zu ermöglichen, müssen sich die Eltern wieder sicher fühlen und sich beruhigen.“

Ein ausführlicher Anhang mit Arbeitsmaterialien erleichtert den Fachkollegen die praktische Umsetzung dieser Methode. Er enthält zum Beispiel Hinweise zu behördlichen Formalitäten, Übungen und Spiele für die Kindergruppen und Erläuterungen zu destruktiven Kommunikationsmustern. Das ganze Interview mit den Autorinnen hier.

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Justine van Lawick, Margreet Visser: „Kinder aus der Klemme – Interventionen für Familien in hochkonflikthaften Trennungen“

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3. Frank Früchtel, Erzsébet Roth: „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“

„Family Group Conferencing (FGC)“ ist in Neuseeland das Herzstück des Kinderschutzes. Dabei vertraut der Gesetzgeber auf die Kompetenz und das Wissen der Familie und ihres sozialen Netzes und darauf, dass sie sich verantwortungsvoll um das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen kümmern kann. Frank Früchtel und Erzsébet Roth stellen in „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“ das FGC als ein Interventionsmodell vor, das dem erweiterten Rat aus Mitgliedern des familiären sozialen Netzwerkes ein hohes Maß an Lösungsorientierung und -kompetenz zubilligt. Durch das Einsetzen eines Familienrats können sich sogar bei drohender Inobhutnahme von Jugendlichen durch die Behörden Handlungsalternativen ergeben. In Deutschland ist das FGC in die Kommentierung zu §36 SGB VIII bereits aufgenommen worden.

Wichtig für den Erfolg eines Familienrates ist, dass möglichst viele zum Familiennetzwerk gehörende Mitglieder im Rat zur Verfügung stehen. Je mehr Menschen beteiligt werden, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Übergriffe unbeobachtet bleiben oder dass alle Teilnehmer vorhandene Gefährdungen subjektiv falsch einschätzen. Die familiäre Öffentlichkeit holt belastende Themen aus der Tabuzone, spricht sie an und schafft so Sicherheit und Transparenz. Die Koordination und Supervision übernehmen professionelle Kräfte.

„Wenn Menschen leiden, erzeugt dies bei anderen Menschen Betroffenheit – eine Art emotionale Ansteckung. Diesem elementaren Sozialprozess folgt der Familienrat“, heißt es im Vorwort.
Hier eine Leseprobe.

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Frank Früchtel, Erzsébet Roth: „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“

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4. Andrea Kaindl: „Chillen unterm Sorgenbaum“

Die Psychologin und Hypnotherapeutin Andrea Kaindl arbeitet seit Langem erfolgreich in der Schmerztherapie von Kindern und Jugendlichen. Im Mittelpunkt von „Chillen unterm Sorgenbaum – Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Ein verhaltens- und hypnotherapeutisches Behandlungsmanual“ stehen junge Schmerzpatienten mit unklaren diagnostischen Befunden.

Chronische Schmerzen verursachen bei Kindern besonders häufig Vermeidungsverhalten, physische und psychisch-mentale Prozesse treten in enge Koppelung. Durch mangelnde Selbstwirksamkeit im Umgang mit Anforderungen, Belastungen und Schmerzen verfestigt sich das Rückzugsverhalten immer mehr, Behandlungserfolge schwinden. Ultima Ratio zum Beispiel bei einer akuten Migräneattacke ist selbst für die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft auch bei jungen Patienten die medikamentöse Behandlung durch Schmerzmittel wie Ibuprofen.

Hypnotische Interventionen in Kombination mit langfristig wirksamen verhaltenstherapeutischen Maßnahmen wirken wesentlich behutsamer, indem sie Resilienzkräfte mobilisieren. „Die Hypnotherapie ist eine wunderbare Methode, Zugang zu oft unbewussten Bedürfnissen zu erhalten, die sich über körperliche Symptome äußern“, sagt die Autorin. „So können Ressourcen aktiviert und hilfreiche Veränderungen initiiert werden, die weit über eine bloße ‚Stressbewältigung‘ hinausgehen. Zudem gibt es gute wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit hypnotherapeutischer Techniken bei der Behandlung chronischer Schmerzen.“

Bei der Arbeit mit Kindern setzt Andrea Kaindl auf eine zentrale Metapher: das „Schmerztor“. Sie hilft Kindern, die komplexen Prozesse der Schmerzentstehung und – aufrechterhaltung im Zentralnervensystem begreiflich zu machen. Wie das gelingt, ist hier im Interview mit der Autorin nachzulesen.

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Andrea Kaindl: „Chillen unterm Sorgenbaum – Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Ein verhaltens- und hypnotherapeutisches Behandlungsmanual“

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5. Harald Ullmann: „Einführung in die Katathym Imaginative Psychotherapie“

Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist eine junge, vielseitig anwendbare Methode der Psychotherapie, die zunächst auf Traditionen der Hypnotherapie, der Psychoanalyse und der analytischen Psychotherapie aufbaute. Auf dieser Grundlage wurde KIP zu einer eigenständigen, gut systematisierten Behandlungsform weiterentwickelt. Harald Ullmann erläutert in der„Einführung in die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)“ zunächst sorgfältig den methodischen Ansatz und zeigt dann auf, wie die KIP alternative Behandlungsansätze und -theorien auf kreative Weise zu integrieren vermag.

Die Imagination gehört wie die Sprache, der Werkzeuggebrauch und der aufrechte Gang zur Grundausstattung des Menschen. Das griechische Wort katathym bedeutet „den Gefühlen gemäß“. Wie der Name andeutet, stehen im Zentrum der Katathym Imaginativen Psychotherapie Imaginationen, die durch autonome emotionale Prozesse angeregt und gesteuert werden. Der Therapeut begleitet den Klienten dabei in einem dialogischen Prozess, ermutigt behutsam zur genaueren Betrachtung der inneren Bilder, unterstützt bei Konfrontationen und eröffnet so Möglichkeiten, alternative Verhaltensweisen und Beziehungsmuster zu erkennen und zu erproben.
Harald Ullmann beschreibt, wie anwendungsorientiert die KIP mit ihrem modernen, differenzierten Methodenrepertoire vor allem zur Bearbeitung von Konflikten und zur Mobilisierung innerer Ressourcen ist.

Der praxisnahe und didaktische Aufbau macht das Buch zu einem Einführungsbuch im besten Sinne. Zur Anschaulichkeit der Fallgeschichten tragen aussagekräftige Bilder bei, die zu einzelnen Tagträumen gemalt wurden und den therapeutischen Ansatz unmittelbar verdeutlichen.

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(Foto: Harald Ullmann © Klaus Lorenz)
Harald Ullmann: „Einführung in die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)“

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6. Birgit Theresa Koch (Hrsg.): „Junge Flüchtlinge auf Heimatsuche“

Aus aktuellem Anlass haben wir unser Herbstprogramm 2017 um einen wichtigen Titel zum Thema Migration erweitert: Die Journalistin und Diplom-Psychologin Birgit Theresa Koch hat namhafte Experten, die meisten aus dem systemischen Feld, um Beiträge zur Integrationsarbeit mit Flüchtlingen gebeten. „Junge Flüchtlinge auf Heimatsuche – Psychosoziales und pädagogisches Handeln in einem sensiblen Kontext“ bietet facettenreich und differenziert Einblicke in unterschiedliche Aufgabengebiete bei der psychosozialen Betreuung und der Eingliederung von jungen Flüchtlingen. 

„Das Thema ist ein grundsätzlich systemisches, weil es von dem so komplizierten wie einträglichen Zusammenkommen inhomogener Systeme handelt“, schreibt der deutsch-chilenische Psychologe und systemische Psychotherapeut Kurt Ludewig in seinem Geleitwort. Ankommende und Einheimische träfen wie zwei „Blackboxes“ zusammen. „Das kennzeichnet zwar den Beginn jedweder Kommunikation, sie wird aber in diesem Fall nicht von den kulturellen Erwartungen, Normen und Kommunikationsmitteln gebahnt und erleichtert“, fährt Ludewig fort.

Bei der Übersetzung solch unterschiedlicher Codes ist eine systemische Sichtweise besonders hilfreich. Das zeigt der breite thematische Horizont, den die mehr als zwanzig Beitragsautoren des Buches abstecken. So berichtet Alexander Korittko, ausgewiesener Experte für Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, über Flucht, Trauma und Chancen der Genesung. Esther Kleefeld reflektiert unter der Überschrift „Wissen vom eigenen Nichtwissen“ die eigene Haltung und Herangehensweisen in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen. Höchst aufschlussreich auch das Gespräch zwischen Birgit Theresa Koch und der Kabarettistin Idil Baydar mit dem vieldeutigen Titel „Mit ausländischer Hardware und deutscher Software“!

„Der Herausgeberin Birgit Theresa Koch ist es gelungen, zusammen mit ihren AutorInnen ein Buch zusammenzustellen, das praktische Handhabe ebenso wie fundierte, gut und verständlich erklärte Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfügung stellt, die professionellen und ehrenamtlichen HelferInnen ihre herausfordernde und zugleich lohnenswerte und befriedigende Arbeit in diesem komplexen multiperspektivischen Kontext erleichtern können. Ein anschauliches, pragmatisches und kenntnisreiches Buch.“
(Dr. Cornelia Oestereich, Beiratsmitglied im Netzwerk traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen (NTFN), Systemische Lehrtherapeutin (SG) und Lehrende Supervisorin (SG), NIS Hannover)

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Birgit Theresa Koch (Hrsg.): „Junge Flüchtlinge auf Heimatsuche – Psychosoziales und pädagogisches Handeln in einem sensiblen Kontext“

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7. Michael Buscher, Klaus Hennicke: „Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung“

Michael Buscher und Klaus Hennicke begeben sich mit „Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung“ auf ein schwieriges Therapiefeld. Bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung werden überdurchschnittlich häufig auch psychische Störungen festgestellt. Intelligenzminderung ist jedoch keine Krankheit, folglich muss in der therapeutischen Arbeit neben dem individuellen Entwicklungsstand des betroffenen Kindes seine familiäre und soziale Einbettung mit all ihren Akteuren und Umständen besondere Berücksichtigung finden.

Die beiden erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater gehen mit wissenschaftlicher Sorgfalt vor und bereiten damit ein sicheres Terrain für die therapeutische Praxis. Gleichzeitig entwickeln sie einen wertschätzenden und multiperspektivischen Blick für die Bedürfnisse und Probleme der Kinder und Jugendlichen, deren Angehörige und professionellen Betreuer. Dabei klingt mitunter durchaus Kritik an der vielerorts gelebten Betreuungspraxis an.

Die Autoren plädieren nachdrücklich für eine am Anliegen der Familien orientierte vernetzte Multiprofessionalität. Sie sei die Voraussetzung für ein ganzheitliches Verständnis und erfolgreiches therapeutisches Handeln. Sie zeigen auf, dass die systemische Praxis dies in hohem Maße gewährleisten kann und somit Eltern und Kindern und ihren berechtigten Anliegen in einer herausfordernden Realität die angemessene Aufmerksamkeit und Unterstützung zuteil werden lässt. Ab Erscheinen des Buches ist kostenloses Zusatzmaterial auf www.carl-auer.de verfügbar!

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(Foto: Michael Buscher © MikeMeyer)
Michael Buscher, Klaus Hennicke: „Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung“

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8. Rudolf Klein, Gunther Schmidt: „Alkoholabhängigkeit“

„Alkoholabhängigkeit“ von Rudolf Klein und Gunther Schmidt gibt den aktuellen Stand der hypnosystemischen und systemischen Therapie mit alkoholabhängigen Menschen im ambulanten und stationären Bereich wieder. In ihrer Vorbemerkung halten die Autoren fest, dass Diagnosen im klinischen Kontext gewöhnlich aufgrund von Beobachtungen gestellt werden, die in diagnostischen Gesprächen mit den Patienten erfolgen.

Das ist im Umgang mit alkoholabhängigen Patienten anders: „Kein Therapeut war anwesend, wenn die Patienten getrunken haben. Insofern gründen die Diagnosen [...] immer auf Aussagen von Patienten über eigenes zurückliegendes Verhalten. Therapeuten können also nur Rückschlüsse ziehen und sind abhängig von der Bereitschaft ihrer Patienten, offen über ihre vergangenen Erfahrungen zu berichten.“ Ihre Öffnung bietet zugleich wichtige therapeutische Chancen: Alkoholkranke geben dabei den Blick auf die suchtbegünstigenden Faktoren in ihren Biografien, aber auch auf weitere Problemfelder und Nöte frei. Eine differenzierte ganzheitliche Betrachtung und Unterstützung, die so möglich wird, kommt in der Behandlung Alkoholkranker aus Kostengründen oft zu kurz, kritisieren die Autoren.

Die Schweizer Fachzeitschrift SuchtMagazin nimmt in ihrer Rezension des Buches diesen Kritikpunkt auch auf und hält fest: „Das therapeutische Vorgehen und damit auch die Entwicklungsmöglichkeiten von KlientInnen werden auf Druck der finanzierenden Stellen oft eingeschränkt. Die Autoren beschreiben erprobte Alternativen zu diesen Voraussetzungen, im Hinblick auf die Gründe für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit als auch auf therapeutische Ziele und Behandlungsmethoden. Den herkömmlichen und gängigen psychotherapeutischen Methoden stellen sie moderne systemische und hypnosystemische Ansätze gegenüber. Deren Vorzüge werden z. B. im Umgang mit Ambivalenzen und ‚Rückfällen‘ oder bei der Arbeit in und mit Zwangskontexten besonders deutlich.“ (SuchtMagazin, 4/17, Seite 39)

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(Foto: Gunther Schmidt © Guy Jallay)
Rudolf Klein, Gunther Schmidt: „Alkoholabhängigkeit“

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9. Zehn Jahre sysTelios Klinik!

Die sysTelios Klinik in Siedelsbrunn feiert im September 2017 ihr zehntes Gründungsjubiläum. Das Carl-Auer Team gratuliert und wünscht MitarbeiterInnen und KlientInnen bei der Fortsetzung ihrer Erfolgsgeschichte viel Kraft und ungebrochene Innovationsfreude. Mit einem außergewöhnlichen Therapiekonzept und einer offenen Organisationskultur geht die Klinik seit Jahren neue Wege der Hypnosystemik.

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10. Das neue Programm von Simon, Weber and Friends

Das neue Workshop- und Seminarprogramm 2017/18 von Simon, Weber and Friends ist jetzt online! Ab sofort können sich Teilnehmer im Netz über das Kursangebot informieren und direkt anmelden. Für Absolventen der Grund-, Aufbau- und Gruppendynamik-Kurse wurden 2018 vier (und für 2019 weitere vier) Vertiefungskurse konzipiert. Diese Kurse eröffnen die Möglichkeit, aktuelle Ansätze und Themenfelder in einem angemessenen systemtheoretischen Rahmen zu diskutieren und in die eigene Beratungs- und Führungspraxis zu integrieren. Mehr über die Kurse zur systemischen Organisationsberatung gibt es – wie immer – in der SWF-Rubrik am Ende dieses Carl-Auer-Newsletters.
Von Interesse für Kursteilnehmer, aber nicht nur für diese, ist das Interview „Systemisch ist die Theorie, nicht das Werkzeug“ mit Fritz B. Simon in „Wirtschaft + Weiterbildung“ Ausgabe 6/2017, hier nachzulesen.

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Fritz B. Simon, Christel Rech-Simon:
„Zirkuläres Fragen – Systemische Therapie in Fallbeispielen: Ein Lernbuch“

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(Foto: Claude Rosselet @ Konrad Gös)
Gunthard Weber, Claude Rosselet (Hrsg.):
„Organisationsaufstellungen – Grundlagen, Settings, Anwendungsfelder“

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Torsten Groth: „66 Gebote systemischen Denkens und Handelns in Management und Beratung“

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11. Veranstaltungstipps: Carl-Auer Akademie empfiehlt!

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22. bis 24. September 2017, Berlin
5. Wandlitzer Tagung Psychoonkologie
U. a. mit Ghita Benaguid, Ronja Ernsting, Stefanie Schramm, Hansjörg Ebell, Wolfgang Schulze, Ernil Hansen, Claudia Wilhelm-Gößling, Heinz Wilhelm Gößling, Elvira Muffler, Peter Brock, Martin Braun, Matthias Ohler, Dorothea Thomaßen, Frauke Niehues, Manuel Teterra und Kathrin Kühnel

Carl-Auer-Literaturtipps:
Elvira Muffler (Hrsg.): „Kommunikation in der Psychoonkologie – Der hypnosystemische Ansatz“
Heinz-Wilhelm Gößling: „Hypnose für Aufgeweckte – Hypnotherapie bei Schlafstörungen“
Michael Bohne, Matthias Ohler, Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle (Hrsg.): „Reden reicht nicht!? – Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien für Therapie und Beratung“

29. September bis 1. Oktober 2017, Heidelberg
Symposium „Würde und Mitgefühl in Psychotherapie, Beratung, Organisationen und Gesellschaft“
Eine Veranstaltung des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg in Kooperation mit der Carl-Auer Akademie und Prof. Luise Reddemann
U. a. mit Prof. Dr. Klaus Hüllemann, Ortwin Meiss, Matthias Ohler, Mechthild Reinhard, Gunther Schmidt

Carl-Auer-Literaturtipps:
Klaus-D. Hüllemann: „Patientengespräche besser gestalten – Gebrauchsanleitungen für helfende Kommunikation“
Ortwin Meiss: „Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burnout“
Rolf Arnold: „Wie man wird, wer man sein kann – 29 Regeln zur Persönlichkeitsbildung“

9. bis 12. Oktober 2017, Berlin
WPA XVII – World Congress of Psychiatry
Mit Keynotes u. a. von Dinesh Bhugra, Helen Herrman, Fabrizio Benedetti, Prabha Chandra, Richard Sennett, Wolfgang Gaebel, Stephen Scott, Sir Michael Meaney, Edilma Yearwood, Andreas Heinz, Linda C. W. Lam, Jair de Jesus Mari, Driss Moussaoui, Anand Satyanand, Martin Bohus, Frank Schneider, Sir Michael Marmot, Peter Lehmann und Hilkka Kärkkäinen

Carl-Auer-Literaturtipps:
Thomas Szasz: „Geisteskrankheit – ein moderner Mythos. Grundlagen einer Theorie des persönlichen Verhaltens“
Roland Schleiffer: „Das System der Abweichungen – Eine systemtheoretische Neubegründung der Psychopathologie“
Tom Levold, Michael Wirsching (Hrsg.): „Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch“

12. bis 14. Oktober 2017, München
17. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF  – „Von der Neutralität zur Parteilichkeit – SystemikerInnen mischen sich ein“
„Wie wirken Geschichte und Politik in unserer Arbeit? An welchen Stellen berühren historische und politische Einflüsse unsere ethischen Leitlinien, wenn wir in Organisationen etwa struktureller Gewalt, Ausgrenzung oder Ungerechtigkeit begegnen oder Institutionen mehr von finanziellen Interessen und Machtinteressen geleitet sind als im Interesse der Menschen?“ Auf der Tagung soll gemeinsam und in unterschiedlichen Formaten nach sinnvollen Antworten gesucht werden. Mit Sabine Bode, Armin Nassehi, Heiner Keupp, Ludger Kühling, Wolfgang Schmidbauer u. v. a.

Carl-Auer-Literaturtipps:
Fritz B. Simon: „Einführung in die Systemtheorie des Konflikts“
Marie-Luise Conen: „Ungehorsam – eine Überlebensstrategie. Professionelle Helfer zwischen Realität und Qualität“
Heiko Kleve: „Komplexität gestalten – Soziale Arbeit und Case-Management mit unsicheren Systemen“
Birgit Theresa Koch (Hrsg.): „Junge Flüchtlinge auf Heimatsuche – Psychosoziales und pädagogisches Handeln in einem sensiblen Kontext“

2. bis 5. November 2017, Heidelberg
4. Tagung Mentales Stärken
U. a. mit Ben Furman, Eberhard Hauser, Hans-Dieter Hermann, Dan Nadeau, Bertrand Piccard, Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle, Juliane Votteler und Elisabeth Wehling

Carl-Auer-Literaturtipps:
Bernhard Trenkle: „Die Löwen-Geschichte – Hypnotisch-metaphorische Kommunikation und Selbsthypnosetraining“ Neuauflage!
Consuelo Casula: „Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine – Metaphern und Geschichten für die persönliche und berufliche Entwicklung“
George Lakoff, Elisabeth Wehling: „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht“

16. bis19. November 2017, Bad Lippspringe
DGH Kongress 2017 – „Hypnose Körper und Seele in Balance“
U. a. mit Dr. Brian Alman, Melchior Fischer, Dr. Woltemade Hartman, Dr. Maggie Phillips, Dr. Dirk Revenstorf, Dr. Gunther Schmidt, Dr. Ute Stein, Dr. Reinhold Zeyer, Dr. Agnes Kaiser Rekkas, Claudia Weinsprach 

Carl-Auer-Literaturtipps:
Reinhold Zeyer: „Hypnotherapeutische Strategien bei akutem und chronischem Stress“
Agnes Kaiser Rekkas: „Vollmond am Strand – Hypnotische Sprache in 70 Tranceanleitungen“
Ernest L. Rossi, Milton H. Erickson: „Gesammelte Schriften von Milton H. Erickson – Studienausgabe in 6 Bänden“

8. Dezember 2017, Olten (Schweiz)
Fachtagung „Willkommen im Möglichkeitsraum“ – Systemisch-lösungsorientierte Beratung weiter denken
Seit 1997 bietet die Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz gemeinsam mit dem Norddeutschen Institut für Kurzzeittherapie (NIK) eine Weiterbildung zur systemisch-lösungsorientierten Kurzzeitberatung an. Die Tagung im Jubiläumsjahr 2017 ist eine Begegnungs-, Entwicklungs- und Austauschplattform für Fachkräfte aus Praxis und Wissenschaft, darunter auch aktuell Teilnehmende sowie Absolventinnen und Absolventen aus zwanzig Jahren Weiterbildung zur systemisch-lösungsorientierten Beratung.

Carl-Auer-Literaturtipps:
Frank Eger (Hrsg.): „Lösungsorientierte Soziale Arbeit“
Iris Winkelmann: „Systemisch-ressourcenorientiertes Arbeiten in der Jugendhilfe“

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12. Simon, Weber and Friends: Seminare, Workshops und (Inhouse-)Angebote

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27. bis 29.09.2017 (Modul 1), Berlin
8. bis 10. 11.2017 (Modul 2), Berlin
Systemische Interventionsstrategien
Basierend auf den Grundlagen der systemischen Beratung und Organisationstheorie wird anhand konkreter Fälle aufgezeigt, erprobt und reflektiert, wann welche Tools mit welchen Wirkungsideen einzusetzen sind, und in welcher Interventionsarchitektur komplexe Beratungsprojekte durchzuführen sind.
Leitung: Stefan Günther, Torsten Groth (Modul 1)
und Torsten Groth, Gerhard P. Krejci (Modul 2)

Carl-Auer-Literaturtipps:
Torsten Groth: „66 Gebote systemischen Denkens und Handelns in Management und Beratung“
Roswita Königswieser, Martin Hillebrand: „Einführung in die systemische Organisationsberatung“
Joana Krizanits:„Einführung in die Methoden der systemischen Organisationsberatung“

2.10. bis 6.10.2017, Heidelberg
Intensivkurs: Systemisches Coaching
In diesem Kurs geht es um theoretische Grundlagen sowie praktische Anwendungen und um ein systemisches Verständnis von Organisation und Führung.
Leitung: Wilhelm Backhausen

Carl-Auer-Literaturtipps:
Torsten Groth: „66 Gebote systemischen Denkens und Handelns in Management und Beratung“
Fritz B. Simon: „Einführung in die systemische Organisationstheorie“
Mechtild Erpenbeck: „Wirksam werden im Kontakt – Die systemische Haltung im Coaching“

4.10. bis 6.10.2017, Berlin
Seminar: Lernarchitekturen für tiefgreifende Veränderungsprozesse – oder: Kulturwandel zum Anfassen
Die zentrale Frage im Seminar ist: Wie gestaltet man wirksame Lernarchitekturen für diesen Dauermarathon? Eine erste systemische These für das Seminar lautet dabei: Kultur ist nicht direkt beeinflussbar.
Leitung: Stefan Günther, Anette Gebauer

Carl-Auer-Literaturtipps:
Bernd Schmid, Thorsten Veith, Ingeborg Weidner: „Einführung in die kollegiale Beratung“
Torsten Nicolaisen: „Einführung in das systemische Lerncoaching“ Neuerscheinung!
Christina Grubendorfer: „Einführung in systemische Konzepte der Unternehmenskultur“

12.10. bis 13.10.2017, Berlin
Workshop: Mit Lösungsfokus beraten und führen
Sie lernen den systemisch-lösungsfokussierten Ansatz der Organisationsentwicklung und Change-Begleitung sowie neue praktische Anwendungsfelder von Lösungsfokus kennen.
Leitung: Susanne Burgstaller

Carl-Auer-Literaturtipps:
Susanne Burgstaller (Hrsg.): „Lösungsfokus in Organisationen – Zukunftsorientiert beraten und führen“
Insa Sparrer: „Einführung in Lösungsfokussierung und Systemische Strukturaufstellungen“

20.11. bis 25. 11.2017, Berlin
Training: Gruppendynamik I
Trainings bieten den Lernraum, um die Selbstorganisation sozialer Systeme studieren zu können und sich gleichzeitig experimentell in seiner eigenen sozialen Wirksamkeit zu erfahren und zu erproben. Die systemtheoretische Reflexion der Prozesse bietet eine einzigartige Möglichkeit, Theorie und Praxis zusammen zu bringen und ganz konkret auf einander zu beziehen. Im Mittelpunkt des Trainings stehen die Selbsterfahrung mit Gruppenprozessen als sozialen Selbstorganisationsprozessen und die Reflexion der eigenen Beiträge dazu.
Leitung: Fritz B. Simon, Andreas Peteranderl, Gerhard P. Krejci

Carl-Auer-Literaturtipps:
Oliver König, Karl Schattenhofer: „Einführung in die Gruppendynamik“
Oliver König, Karl Schattenhofer: „Einführung in die Fallbesprechung und Fallsupervision“
Klaus Antons, Monika Stützle-Hebel (Hrsg.): „Feldkräfte im Hier und Jetzt – Antworten von Lewins Feldtheorie auf aktuelle Fragestellungen in Führung, Beratung und Therapie“

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Kongressbuchhandlung
Die Heidelberger Kongressbuchhandlung versorgt Sie zuverlässig mit passender Fachliteratur direkt am Veranstaltungsort. Lassen Sie sich an unseren Büchertischen beraten!
Wichtiger Hinweis: Wer Veranstaltungen früher planen möchte, findet auf unserer Website einen umfangreichen Veranstaltungskalender.
Und noch ein Tipp: News und Informationen zum Carl-Auer Verlag, zu den Autoren und Publikationen finden Sie auf unserer Website unter Neuigkeiten sowie über Facebook, Twitter, Youtube und Xing. Alle lieferbaren Publikationen erhalten Sie direkt im Carl-Auer Shop.
Die Zustellung erfolgt deutschlandweit kostenlos!

mit herzlichen Grüßen
Ihr Carl-Auer Team

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